Quantisierung

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Quantisierung

Bis zu diesem Zeitpunkt ist im Wesentlichen noch nichts anderes passiert, als daß das ursprüngliche Bild in mehrere Teile zerlegt worden ist. Insbesondere ist in keinster Weise eine Kompression des Original-Bildes durchgeführt worden. In dieser Phase soll nun der Speicherbedarf für die abzuspeichernden Daten verringert werden, indem der Wertebereich der aus dem ersten Schritt erhaltenen Koeffizienten verringert wird.
Ein erster naheliegender Ansatz beruht letztlich auf der Energieerhaltung der Wavelettransformation, welche besagt, daß die Energie in einem Signal und seiner Wavelettransformierten übereinstimmt. Nimmt man also nur geringe Veränderungen an den Waveletkoeffizienten vor, so sollte dies im Originalbild ebenfalls nur leichte Veränderungen bewirken. Es drängt sich nun der Gedanke auf, solche Koeffizienten, die betragsmäßig klein sind, zu Null zu machen. Dies realisiert man mittels einer einfachen Schwellenfunktion , die jeden Koeffizienten, dessen Betrag unter einem Schwellenwert liegt, auf die Null abbildet:

Sinnvoll einsetzbar ist natürlich nur, wenn ein hoher Anteil der Koeffizienten eliminiert werden kann, ohne so groß wählen zu müssen, daß die Qualität des Ausgangsbildes merklich in Mitleidenschaft gezogen wird.
Dies ist in der Praxis zumeist möglich, da die Waveletkoeffizienten auf der reellen Achse in der Regel sehr eng beeinanderliegen und ein wesentlicher Teil davon hinreichend klein ist, so daß ein geringer Prozentsatz an nichtverschwindenden Koeffizienten ausreicht, um das Originalbild in vernünftiger Qualität rekonstruieren zu können.
So elegant dieser Vorgang auch erscheint-es darf nicht vergessen werden, daß das Originalbild und das rekonstruierte Bild als Folge dieser Vorgehensweise nicht mehr identisch sind. Eine solche verlustbehaftete (,,lossy``) Kompression ist für den Gebrauch bei Texten oder Programmdateien völlig ungeeignet.
Bessere Kompressionsraten als mit der Schwellenwertmethode können durch den Gebrauch eines (endlichen) Systems von Quantisierungsfunktionen erreicht werden.
Charakteristisch für eine Quantisierungsfunktion ist ihre Nichtinjektivität; ist ein beliebiges Intervall auf der reellen Achse und eine nichtleere Menge von inneren Punkten von mit dann ist , wobei die Symbolzeichen sind. Die ,,Quantisierungsgüte`` hängt offenbar von drei wesentlichen Faktoren ab:

Zur Bestimmung möglichst optimaler Werte für k und für die 's ist zum einen die Verteilung der Koeffizienten von Interesse, welche mit statistischen Verfahren zu untersuchen ist; zum anderen kommen hier die Eigenschaften des menschlichen Sehapparates wesentlich zum Tragen - empirische Verfahren haben hier durchaus ihre Berechtigung.
Darüberhinaus ist es sinnvoll, die Quantisierung mit dem verwendeten Codierverfahren (siehe nächsten Abschnitt) abzustimmen, um eine möglichst gute Kompression zu ermöglichen.
Zur Veranschaulichung des Quantisierungsbegriffs mge die nachstehende Abbildung dienen, die die Reduktion des Wertebereichs einer reellwertige Funktion durch Quantisierung skizziert.

Neben dieser skalaren Quantisierung ist auch eine vektorielle Variante möglich. Dabei werden die Koeffizienten zu Tupeln (Vektoren) zusammengefaßt und jedem Tupel wird ein Symbolzeichen zugeordnet. Das zu lösende Problem besteht dann in einer Wahl der Vektoren derart, daß die Anzahl der verwendeten Symbolzeichen minimial ist. Es soll hier nicht näher auf diese Technik eingegangen werden. Informationen zu diesem Thema finden sich z.B. in [AB+92].
Die Anzahl der verwendeten Quantisierungsfunktionen ist normalerweise ungleich Eins; üblicherweise wird bei jeder Stufe des Kompressionsvorgangs eine eigene Quantisierungsfunktion zugrunde gelegt. Abschließend müssen die bei jeder Stufe verwendeten 's und die zugehörigen Symbolzeichen in der Quantisierungstabelle abgelegt werden und bei der nachfolgenden Codierung mitberücksichtigt werden.


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Rainer Steinwandt