Basis-Wavelets und Multi-Resolutions-Analysis

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Basis-Wavelets und Multi-Resolutions-Analysis

Das Auffinden von für bestimmte Anwendungen geeigneten Basis-Wavelets ist eine nicht ganz triviale Aufgabe. Ein zentraler Begriff bei der Suche nach Basis-Wavelets ist die sogenannte Multi-Resolutions-Analysis (MRA). Eine erschöpfende Erklärung dieses Begriffs wird hier nicht angestrebt; vielmehr soll er genutzt werden, um die Vorstellung davon zu erleichtern, was bei einer Wavelettransformation praktisch vor sich geht. Eine genauere Herleitung der hier vorgstellten Zusammenhänge findet sich in [Fou94].
Der MRA-Begriff kann mit einem verbreiteten Modell des menschlichen Sehapparates motiviert werden; dieses Modell geht davon aus, daß das menschliche Gehirn Bilder gleichzeitig in mehreren Auflösungen verarbeitet (Multi-Resolution). Eine MRA zerlegt nun im Wesentlichen den gesamten Signalraum in eine Kette von Unterräumen , die jeweils der Darstellung in einer bestimmten Auflösung entsprechen. Für erhält man etwas formaler die folgende Definition:
Eine orthonormale MRA des mit der erzeugenden Skalierungsfunktion ist eine Kette von Unterräumen , so daß

  1. (f.a. ganzzahligen )
  2. die Menge der bildet eine Basis von
läßt sich nun (ohne Beweis) ausdrücken durch
,
wobei die Orthonormalprojektion von auf ist; mit anderen Worten: approximiert mit wachsendem immer besser. Der ,,Approximationsfehler`` zwischen aufeinanderfolgenden Näherungen läßt sich als Element des Raumes darstellen. Motiviert durch den Wunsch nach einer orthonormalen Waveletbasis, fordert man nun von einem Wavelet-Raum nicht nur , sondern verlangt noch zusätzlich .
Es läßt sich zeigen, daß sogar

gilt.
Analog zu der Skalierungsfunktion existiert nun ein Basis-Wavelet , so daß die eine Basis von bilden. Der Zusammenhang zwischen und soll nun erklärt werden:
Man kann sich die ,,Auflösungsreduktion`` zwischen den Unterräumen durch einen geeigneten Tiefpaßfilter verursacht denken. Beschreibt man diesen durch eine geeignete Folge von Koeffizienten , so kann man als von diesem mittels

erzeugt betrachten. Es gibt dann einen geeigneten Hochpaßfilter, so daß

gilt, wobei die zugehörige Folge von Filterkoeffizienten ist. Die 's sind hierbei nach Festlegung der 's eindeutig bestimmt.
Um die Rekonstruierbarkeit des Signals zu gewährleisten, werden an die Filterkoeffizienten noch gewisse Bedingungen gestellt, auf die hier nicht weiter eingegangen werden soll.
Der Tiefpaßfilter wird auch als ,,Wavelet-Filter`` bezeichnet, der Hochpaßfilter wird gelegentlich ,,Skalierungs-Filter`` genannt. Setzt man z.B. so erhält man das Haar-Wavelet, führt zum Daubechies-Filter .



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Rainer Steinwandt