Nächstes: Wavelets im diskreten Fall
Letztes: Möglichkeiten der Kompression
Sei nun ein konkretes Bild vorgegeben. Liegt ein Grauwertbild vor, so kann es
durch ein reellwertiges Signal
beschriebenn werden; ist die
Bildinformation auf mehrere Kanäle verteilt (z.B. RGB-Bild), so können
die einzelnen Kanäle jeweils durch eine entsprechende Funktion
repräsentiert werden. Dem Gesamtbild entspricht dann
eine vektorwertige Funktion
.
Die folgenden Überlegungen können in diesem Fall auf die einzelnen
Komponenten von
übertragen werden.
Gesucht ist nun eine Darstellung von
,
die es erlaubt, die im Bild enthaltene Redundanz zu erkennen und für Kompressionszwecke auszunutzen.
Zu diesem Zweck kann das Signal einer linearen Transformation
unterworfen werden, welche sinnvollerweise invertierbar sein sollte.
Eine solche Transformation
hat die Gestalt
,
wobei die
Basisfunktionen
und das Signal
natürlich so beschaffen sein
müssen, daß das angegebene Integral konvergiert - diese
zugegebenermaßen etwas unpräzise Aussage soll für die Motivation
der Wavelet-Transformation an dieser Stelle ausreichen.
Ein erster naheliegender Versuch, die Bildfunktion
zu dekorrelieren,
besteht in der Bestimmung der Fourier-Transformierten
von
:
Diese Transformation ist für das hier angestrebte Ziel der Datenkompression
leider nicht geeignet, da es sich bei den zugrundeliegenden Basisfunktionen
um (komplexe) Sinusoide handelt
(
).
Treten nämlich in einem Bild höhere Frequenzanteile auf - z.B. durch
ausgeprägte Kanten - so wirken sich diese auf alle Koeffizienten aus.
Um diese hohen Frequenzen zu lokalisieren, geht man von der
Fourier-Transformation zur gefensterten Fourier-Transformation
(Short-Time Fourier-Transformation (STFT)) über, die auf Gabor zurückgeht
und eine Fensterfunktion
verwendet:
Das Integral über eine Fensterfunktion soll endlich sein. Außerdem
soll
auf einem ganzen Intervall nicht verschwinden (häufig wird für
die Gaußfunktion benutzt).
Die bei der STFT zusätzlich auftretende Variable
legt die Stelle fest,
an welcher der ,,Filter``
verwendet wird.
Der wesentliche Nachteil bei der Anwendung der STFT ist die fehlende Flexibilität bei der Anpassung der
Fenstergröße an unterschiedliche Frequenzen: während i.a. bei niederen
Frequenzen ein eher breiter Ausschnitt vorteilhaft ist, sollte bei hohen
Frequenzen eine entsprechende Verkleinerung möglich sein.
Für den Wunsch nach einer solchen Anpassung gibt es eine recht
pragmatische Begründung: Das menschliche Auge lölst nicht alle
Frequenzbereiche gleich gut auf, d.h. manche Frequenzbereiche sind von
geringerem Interesse als andere.
Um dieser Forderung nachzukommen, skaliert man die Fensterfunktion und
gelangt so zur Wavelet-Transformation:
mit
Dabei wird die Funktion
als Basis-Wavelet bezeichnet. Die
Basis-Funktionen
werden durch Translation
und Skalierung
aus
gewonnen. Im Zusammenhang mit Wavelets nennt man
auch
Dilations-Faktor. Selbstverständlich muß
so
gewählt werden, daß die Existenz des obigen Integrals gesichert ist;
im Wesentlichen kann hierfür jede Funktion, die einen Bandpaß-Filter
beschreibt, eingesetzt werden. Die Bezeichnung Wavelet für
rührt
daher, daß in der Regel
gefordert wird und damit
mit etwas Phantasie eine gewisse Ähnlichkeit mit einer Welle
(engl. wave) aufweist.
Anmerkungen:
konjugiert.
ausgesprochen,
wobei
und
auf der reellen Achse definiert sind
Es ist im Rahmen dieser Arbeit nicht möglich und auch nicht sinnvoll alle diese Klassen und ihre Charakteristika ausführlich darzustellen. Vielmehr werden exemplarisch einige spezielle Wavelets, die für die Kompression von Bilddaten von praktischem Interesse sind, vorgestellt. Zuvor soll aber geklärt werden auf welche Art und Weise Wavelets bei der Bilddaten-Kompression eingesetzt werden, um sinnvoll entscheiden zu können, welchen Anforderungen eine geeignete Basis-Funktion hierbei genügen muß.